Beratung & Therapieempfehlungen

Es kann eine Beratung zu sämtlichen Problemen der Gerinnung erfolgen. Dieses können einerseits gerinnungsfördernde Probleme (meist eine Erhöhung der Gerinnungsfaktoren) sein, die Thrombosen, Lungenembolien, Herzinfarkte, Schlaganfälle usw. verursachen können. Andererseits können Gerinnungsfaktoren auch zu wenig produziert werden, so dass Blutungsneigungen auftreten. Gegebenenfalls erfolgt eine Diagnostik oder Therapieempfehlung.

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Thromboseneigung

Thrombosen sind Gefäßverschlüsse, die durch Gerinnsel in Blutgefäßen hervorgerufen werden. Man unterscheidet dabei arterielle Thrombosen, die durch Gerinnselbildung in Schlagadern hervorgerufen werden (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall), von venösen thrombotischen Ereignissen, etwa  Venenentzündungen, Venenthrombosen und Lungenembolien.

Arterielle thrombotische Ereignisse

wie Herzinfarkte und Schlaganfälle treten meistens bei Personen mit „klassischen“ Risikofaktoren (Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Störungen des Fettstoffwechsels, Übergewicht, Nikotinkonsum) auf und finden sich vorwiegend im höheren Lebensalter. Treten arterielle thrombotische Ereignisse bei Personen ohne entsprechende Risikofaktoren auf, muss daran gedacht werden, dass auch Gerinnungsdefekte das arterielle Thromboserisiko erhöhen und zur Entwicklung entsprechender thrombotischer Ereignisse beitragen können. Eine Gerinnungsabklärung wäre dann anzuraten, wenn bei jungen Patienten ohne entsprechende Risikofaktoren bzw. ohne ausreichendes Risikoprofil arterielle Ereignisse auftreten. Als Beispiele für Gerinnungsdefekte mit einem erhöhten Risiko für arterielle thrombotische Ereignisse wären beispielsweise das Antiphospholipidsyndrom (APLS) und der schwere Antithrombinmangel zu nennen.

Venöse thrombotische Ereignisse

Insbesondere Venenentzündungen, Venenthrombosen und Lungenembolien, treten gehäuft bei Personen auf, die eine angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Übergerinnbarkeit des Blutes („Thrombophilie“) aufweisen. Häufige angeborene Risikofaktoren bei venösen thrombotischen Ereignissen sind die Faktor V Leiden-Mutation, die Prothrombinmutation sowie der Protein C-, Protein S- und Antithrombinmangel. Als erworbene Störung, die unter anderem mit einem erhöhten Risiko für venöse thrombotische Ereignisse einhergeht, ist wiederum das sogenannte Antiphospholipidsyndrom (APLS) zu nennen. Inzwischen sind jedoch zahlreiche weitere Faktoren bekannt, die zu einer Übergerinnbarkeit des Blutes führen oder eine bestehende Übergerinnbarkeit anzeigen und somit das Risiko einer Gerinnselbildung im Venensystem erhöhen.  Zu berücksichtigen ist, dass hormonelle Kontrazeptiva (Pille) sowie die Durchführung einer Hormonersatztherapie (HRT) das Thromboserisiko erhöhen.

Sowohl bei arteriellen als auch bei venösen Gerinnselbildungen werden zur Behandlung „Blutverdünner“ (Antithrombotika) verabreicht. Je nach Art der Gerinnselbildung, Art des vorliegenden Defektes und anderen Faktoren kann die Behandlung verschiedener Patienten sich erheblich unterscheiden. Hinzu kommt, dass die Verträglichkeit, Wirksamkeit und Dosierung der Medikamente nicht bei allen Menschen gleich ist, sondern sich wesentlich unterscheiden kann.

In unserer Praxis bieten wir eine umfassende Diagnostik, Beratung und Therapieempfehlungen von Patienten mit  thrombotischen Ereignissen an.

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Blutungsneigung

Eine Blutungsneigungen kann sich völlig unterschiedlich bemerkbar machen. Hier einmal die wichtigsten von Patienten geschilderten klinischen Symptome:

  • wiederholtes Nasenbluten
  • starke oder verlängerte Regelblutung
  • Neigung zu blauen Flecken (Hämatomen) oder punktförmigen Blutungen (Petechien)
  • wiederholtes übermäßiges Zahnfleischbluten
  • Einblutungen in die Gelenke oder in die Muskulatur
  • vermehrte Blutungsneigung bei Bagatell-Verletzungen
  • vermehrte Blutungsneigung bei operativen und zahnärztlichen Eingriffen
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Dazu kann auch eine Abklärung bei auffälliger Familienanamnese hinsichtlich der Blutungserkrankungen nötig sein. In den meisten Fällen kann bei diesen oben genannten Symptomen ein Gerinnungsfaktor zu niedrig sein und diese Symptome hervorrufen. Je nach Stärke der Erniedrigung können spontan Blutungen auftreten wie auch Blutungen nur in Risikosituationen möglich sind, wenn zum Beispiel eine Operation erfolgt, ein Unfall besteht und große Schnittwunden existieren.

Hinweis: 
Sehr häufig sind Gerinnungsdefekte, die zu einer Blutungsneigung führen können, nicht durch die üblicherweise durchgeführte „Routine-Gerinnungsdiagnostik“ („Quickwert“, aPTT, Blutbild) erfassbar. Zum Nachweis eines Gerinnungsdefektes ist daher eine spezielle Diagnostik erforderlich!

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Abortneigung

Sie haben zahlreiche verschiedene Ursachen, wobei prinzipiell mütterliche und kindliche Faktoren zu unterscheiden sind. Seit langem ist bekannt, dass bei Patientinnen mit bestimmten Gerinnungsstörungen, die entweder zu einer Übergerinnbarkeit des Blutes führen oder mit einer vermehrten Blutungsneigung einhergehen, gehäuft Fehlgeburten auftreten können.
Typische Gerinnungsstörungen, die mit einer Neigung zu Fehlgeburten bei Fehlen sonstiger Risikofaktoren (sogenannte habituelle Abortneigung) in Verbindung gebracht werden, sind:

Angeborene (hereditäre) thrombophile Risikofaktoren:

Insbesondere wurde eine Assoziation mit der habituellen Abortneigung für die häufigsten thrombophilen Risikofaktoren, die Faktor V Leiden-Mutation (Faktor V G1691A) sowie die Prothrombinmutation (G20210A) nachgewiesen. Auch zahlreiche andere thrombophile Risikofaktoren wie der Protein C- oder Protein S-Mangel können zu einer habituellen Abortneigung führen. Schließlich sind Kombinationen milder Risikofaktoren bekannt, die normalerweise ohne Relevanz sind, aber mit einem erhöhten Abortrisiko behaftet sein können.

Erworbene thrombophile Risikofaktoren:

Auch eine erworbene Thrombophilie, speziell das sogenannte Antiphospholipidsyndrom (APLS), kann zu einer Abortneigung führen. Die Diagnostik ist komplex und aufwendig, zur Diagnosesicherung sind in der Regel mehrere Kontrolluntersuchungen erforderlich.

Hämorrhagische Diathesen:

Auch Gerinnungsstörungen, die zu einer Blutungsneigung prädisponieren, können zu einer Abortneigung führen. Beispielhaft seien an dieser Stelle der Faktor XIII-Mangel sowie die Hypofibrinogenämie genannt.

Eine Abklärung auf Gerinnungsstörungen als Ursache der Abortneigung ist dann zu erwägen, wenn mindestens zwei frühe Fehlgeburten oder eine späte Fehlgeburt aufgetreten sind. Bei Nachweis eines entsprechenden Gerinnungsdefektes ist es möglich, durch eine entsprechende Behandlung – beispielsweise mit „Gerinnungshemmern” wie niedermolekularem Heparinen oder Acetylsalicylsäure (ASS) – das Risiko für weitere Fehlgeburten in einer künftigen Schwangerschaft zu vermindern und die Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft zu steigern. Eine drastische Risikoreduktion gelingt beispielsweise durch eine entsprechende Medikation häufig beim Antiphospholipidsyndrom (APLS), bei dem ohne eine adäquate Behandlung das Wiederholungsrisiko sehr hoch ist, aber in unter entsprechender Medikation auf ca. 10-20 % sinkt.

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Schwangerschaft

In unserem Gerinnungszentrum bieten wir eine umfassende Betreuung von Schwangeren mit den genannten Problemen an. Unser Spektrum umfasst hierbei:

Gerinnungsabklärung bei Frauen mit Schwangerschafts-typischen Erkrankungen wie Plazentaperfusionsstörungen, (Prä)eklampsie und HELLP-Syndrom einschließlich individueller Therapieempfehlung und Mitbetreuung in der Schwangerschaft

Gerinnungsabklärung bei Frauen mit vermuteter Thrombosegefährdung in der Schwangerschaft oder abgelaufenen thrombotischen Ereignissen einschließlich individueller Therapieempfehlung und Mitbetreuung in der Schwangerschaft; Mitbetreuung von Schwangeren mit bekannter Thrombophilie im Rahmen der Schwangerschaft.

Gerinnungsabklärung bei Frauen mit generell gesteigerter Blutungsneigung oder Auftreten von Blutungssymptomen in der Schwangerschaft, ferner Mitbetreuung von Schwangeren mit bekannten Gerinnungsdefekten (etwa Schwangere mit „von-Willebrand-Syndrom”) einschließlich individueller Therapieempfehlung und Mitbetreuung in der Schwangerschaft

Abklärung bei (abgelaufenem) Morbus haemolyticus neonatorum (MHN)/Morbus haemolyticus fetalis (MHF) oder fetaler/neonataler Alloimmunthrombozytopenie (FAIT/NAIT) einschließlich individueller Therapieempfehlung und Mitbetreuung in der Schwangerschaft

Schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen

Schwangerschaftstypische Erkrankungen können mit dem Vorliegen von angeborenen oder erworbenen Defekten der Blutgerinnung im Zusammenhang stehen. Inbesondere handelt es sich um Durchblutungsstörungen des Mutterkuchens (Plazenta), die einerseits zu kindlichen Problemen (späte Fehlgeburten, Wachstumsverzögerung bzw. Wachstumsstillstand, vorzeitige Lösung der Plazenta) und andererseits zu mütterlichen Problemen („Schwangerschafts-Vergiftung“, Präeklampsie, HELLP-Syndrom, u.a.) führen können.

Thrombotische Ereignisse (Venenentzündungen, Venenthrombosen, Lungenembolien)

Zudem sind Schwangere im besonderen Maße gefährdet für thrombotische Erkrankungen wie Venenentzündungen (Thrombophlebitiden), Venenthrombosen und Lungenembolien. Die besondere Veranlagung (Disposition) von Schwangeren für thrombotische Ereignisse ist teilweise auf eine Umstellung der Gerinnung im Rahmen der Schwangerschaft zurückzuführen, durch die es zu einer „Übergerinnbarkeit” des Blutes kommt.

Gefährdet für thrombotische Ereignisse in der Schwangerschaft sind insbesondere:

  • Schwangere mit bereits abgelaufener Venenentzündung, Venenthrombose oder Lungenembolie
  • Schwangere mit Gerinnungsdefekten, die mit einer vermehrten Thromboseneigung einhergehen (Thrombophilie)
  • Schwangere mit familiärer Belastung hinsichtlich thrombotischer Ereignisse
  • Schwangere mit Übergewicht (Adipositas)
  • Schwangere mit einem Lebensalter über 35 Jahren

Eine Gerinnungsabklärung ist bei Frauen zu erwägen, die aufgrund der oben genannten Faktoren ein erhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse aufweisen. Durch eine geeignete Prophylaxe in der Schwangerschaft kann das Auftreten thrombotischer Ereignisse zumeist effektiv verhindert werden. Eine besondere Herausforderung stellt die Behandlung thrombotischer Ereignisse, die in der Schwangerschaft auftreten dar; bei der Therapie sind dann mütterliche Risiken und Risiken für das Ungeborene zu berücksichtigen.

Blutungsneigung in der Schwangerschaft

Neben der Gefährdung durch thrombotische Ereignisse spielt auch die Blutungsneigung im Rahmen von Schwangerschaft und Entbindung eine bedeutsame Rolle. Hierfür sind Frauen mit angeborenen Gerinnungsdefekten gefährdet, die auch außerhalb der Schwangerschaft eine vermehrte Blutungsneigung bedingen können. Erworbene Gerinnungsstörungen können im Rahmen der Schwangerschaft auftreten und dann zu einer erworbenen Blutungsneigung führen, die klinisch variabel ausgeprägt ist, aber potenziell zu einer Gefährdung der Schwangeren und des ungeborenen Kindes führen kann; Beispiele für erworbene Gerinnungsstörungen der Schwangerschaft mit Blutungsneigung sind die Immunthrombozytopenie (ITP) sowie die erworbene Hemmkörperhämophilie, die zumeist nach der Entbindung auftritt.

Bei Nachweis eines Gerinnungsdefektes mit erhöhtem Blutungsrisiko ist eine gezielte Behandlung und Vorbeugung von Blutungsereignissen möglich. Eine Abklärung sollte bei Schwangeren erfolgen, die bereits vor der Schwangerschaft eine vermehrte Blutungsneigung aufweisen oder bei denen es im Rahmen der Schwangerschaft zu Zeichen einer vermehrten Blutungsneigung kommt (Neigung zu Hämatomen [„blaue Flecken”], Nasenbluten, vermehrte Blutungen der Schleimhäute, usw.). Des Weiteren sollte eine Mitbetreuung von Patientinnen mit bekannten Gerinnungsstörungen, etwa mit von-Willebrand-Syndrom, im Rahmen der Schwangerschaft erfolgen, um ggf. eine adäquate Blutungsprophylaxe in der Schwangerschaft und während der Entbindung durchführen zu können.

Morbus haemolyticus neonatorum (MHN)/ Morbus haemolyticus fetalis (MHF)/ Fetale und neonatale Alloimmunthrombozytopenie (FAIT/NAIT)

Im Rahmen der Schwangerschaft kann es durch eine „Unverträglichkeit“ von Bluteigenschaften der Mutter und des ungeborenen Kindes zu speziellen Problemen kommen. Eine Unverträglichkeit der Eigenschaften von „roten Blutzellen“ (Erythrozyten) von Mutter und ungeborenem Kind kann zu einer Blutarmut des Ungeborenen („Morbus haemolyticus fetalis“ [MHF]) oder Neugeborenen („Morbus haemolyticus neonatorum“ [MHN]) führen. Besonders gefährdet sind Rhesus-negative Frauen, allerdings kommen seltener auch entsprechende Unverträglichkeiten bei Rhesus-positiven Frauen vor.

Bei „Unverträglichkeiten“ von Merkmalen der mütterlichen und kindlichen Blutplättchen können Blutungen beim Ungeborenen („fetale Alloimmunthrombozytopenie“ (FAIT)) oder Neugeborenen („neonatale Alloimmunthrombozytopenie“ (NAID)) auftreten.
In den genannten Fällen kann durch eine entsprechende Diagnostik eine Risikoabschätzung vorgenommen werden, die dann die Grundlage für eine adäquate Prophylaxe oder Therapie darstellt.

Medikamentenüberprüfung

Medikamenten-Überprüfung

Es besteht die Möglichkeit eine Vielzahl von blutverdünnenden Medikamenten durch Testung im Blut zu überprüfen. Das ist hinsichtlich einer Unterdosierung oder auch Überdosierung teilweise von Vorteil und sehr bedeutsam. Insbesondere bei klinischen Symptomen wie einer unter der Therapie auftreten Blutungsneigung (z.B. blaue Flecke et cetera) sollten solche Untersuchungen erfolgen. Man unterscheidet hier die sogenannten niedermolekularen Heparine (NMH), dass Phenprocoumon (Marcumar®), Warfarin usw., die so genannten neuen oralen Antikoagulantien Rivaroxaban (Xarelto®) und Dabigatran (Pradaxa®) und schließlich die so genannten thrombozytenfunktionshemmenden Medikamente ASS (Aspirin®, ASS protect® et cetera) und Clopidogrel und ähnliche Medikamente (Plavix®, Iscover® usw.).

niedermolekulares Heparin (NMH):

Die niedermolekularen Heparine sind schon seit Jahren im Einsatz, um Thromboembolien und eine etwaige Gerinnselbildung zu verhindern. Sie werden perioperativ bevorzugt eingesetzt gegenüber den früher verwendeten hochmolekularen Heparinen.
Normalerweise muss eine Kontrolle des Heparinspiegels im Blut nicht erfolgen. In besonderen Fällen wie zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei mehrwöchiger oder mehrmonatiger Gabe et cetera. kann dieses aber notwendig sein, um eine etwaige Überdosierung oder unter Dosierung zu erkennen.
So kann der sogenannte Anti Xa-Spiegel im Blut kontrolliert werden, um eine ideale Einstellung zu gewährleisten. Lesen Sie bitte hierzu unseren speziellen Flyer „Medikamentengabe niedermolekulares Heparin“, der Ihnen in dem Beratungsgespräch gerne ausgehändigt wird. Sie erfahren dann eine Vielzahl von Hinweisen zum Zeitpunkt der Heparingabe, zur Blutentnahme et cetera.

Rivaroxaban (Xarelto®), Dabigatran (Pradaxa®), Apixaban (Eliquis®)

Die sogenannten „neuen oralen Antikoagulantien“ NOAK Xarelto®, Pradaxa® und Eliquis® sind erst seit wenigen Jahren zugelassen zu einer Vielzahl von Indikationen. Der Vorteil dieser Medikamente besteht darin, dass eine Dosis-Unabhängigkeit besteht und keine weitere Blutkontrollen erforderlich werden wie zum Beispiel beim Marcumar mit immer wiederkehrender Kontrolle des INR Wertes. Allerdings haben auch diese Medikamente Einschränkungen und sollten zum Beispiel nicht angewandt werden bei chronischer Niereninsuffizienz et cetera.
Von beiden Medikamenten kann eine zuverlässige Bestimmung der Spiegel nur mit einer speziell auf Rivaroxaban oder Dabigatran kalibrierten Bestimmung der Anti-Faktor Xa-Aktivität erfolgen. Weitere Informationen können Sie gerne im persönlichen Gespräch in der Sprechstunde durch einen gesonderten Flyer erhalten.

Phenprocoumon (Marcumar®)

Das Phenprocoumon wird seit Jahren bei einer Vielzahl von Indikationen eingesetzt zur Blutverdünnung.
Während der Einstellungsphase von etwa 5–7 Tagen wird dem Patienten jeden 2. bis 3. Tag, bei stabiler Einstellung alle 2–4 Wochen Blut zur Kontrolle abgenommen und danach seine nächste Phenprocoumon-Dosierung festgelegt.

ASS, Clopidogrel

Das ASS und Clopidogrel werden sehr häufig zur Blutverdünnung eingesetzt bei verschiedenen Indikationen. Hier werden  meistens Dosierungen zwischen 50-300 mg ASS verwendet. In der Literatur sind ca. 15 % Non-Responder beschrieben, also in ca. 15 % der Patienten die ASS einnehmen, erfolgt keine ausreichende Blutverdünnung! Beim Clopidogrel liegen die Zahlen bei ca. 12 % Non Responder-Status, ein Semi-Responder-Status (schwächere Wirksamkeit) wird über 20 % der Fälle beschrieben.
Es kann eine Überprüfung der Wirksamkeit dieser gerinnungshemmenden Medikamente Plättchenfunktionshemmern (ASS, Clopidogrel, u.a.) in den Thrombozytenfunktionstesten erfolgen. Dazu darf das Blut aber immer nur maximal 4 Stunden alt sein. Sämtliche Thrombozytenfunktionsteste werden vor Ort vorgehalten (siehe Genaueres unter Labordiagnostik).

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Minirin®-Test (Desmopressin, DDAVP) bei von Willebrand Erkrankung

(Überprüfung der Wirksamkeit)

Bei Patienten mit einem von Willebrand Syndrom Typ 1, Patienten mit milder Hämophilie A (Faktor VIII-Mangel) wie auch bei Patienten mit erworbenem von Willebrand Syndrom kann durch Gabe des Minirin® ein deutlicher Anstieg des von Willebrand Faktor Antigens bewirkt werden. Damit können auch Operationen, Zahnbehandlungen usw. durchgeführt werden.

Das Desmopressin oder auch DDAVP genannt (Handelsname Minirin®) wird zur Behandlung von milden Blutungen oder kleineren operativen Eingriffen eingesetzt. Es kann idealerweise als Infusion oder auch als Nasenspray Octostim® verabreicht werden.

Die intravenöse oder intranasale Gabe von Desmopressin führt zu einer Freisetzung von körpereigenem Faktor VIII, sowie von Willebrand Faktor, sodass deren Spiegel unmittelbar nach der Gabe im Blut ansteigen. Desmopressin wirkt auch vasodilatatorisch (gefäßerweiternd) und antidiuretisch (die Ausscheidung von Urin unterdrückend).

Die maximalen vWF Plasmaspiegel nach intravenöser Gabe werden nach 30-60 Minuten erreicht. Nach intranasaler Gabe verzögert sich die Spannbreite um ca. 30 Minuten. Dieser charakteristische Anstieg tritt allerdings nur bei Patienten ein, die noch zumindest teilweise funktionellen Faktor VIII und von Willebrand Faktor bilden können.

Kontraindikationen:

Nicht indiziert ist die Gabe von Desmopressin

  • Beim von Willebrand Syndrom Typ 2B, da die gesteigerte Bindung des defekten von Willebrand Faktors an die Plättchen zu einer abnormen intravasalen Plättchenaggregation bis hin zur Thrombozytopenie führen kann.
  • Beim von Willebrand Syndrom Typ 3 und bei schwerer Hämophilie A, da Desmopressin hier nicht wirksam ist.
  • bei Hämophilie B (Faktor IX-Mangel)
  • bei von Willebrand Syndrom Typ 2N
  • Anwendung bei Kleinkindern < 4 Jahre

Nebenwirkungen:

Es kann zu einem Blutdruckanstieg oder auch -abfall kommen, einer gewissen Gesichtsrötung („Flush“) und zu Kopfschmerzen. Es kommt zu einer Wasserretention (mangelnde Ausscheidung), Hyponatriämie (Natriummangel). Epileptiker dürfen keine Desmopressin-Infusion erhalten, da es hier aufgrund der Abnahme der Osmolarität in schweren Fällen auch zu Krampfanfällen kommen kann. Ferner sollte es bei Niereninsuffizienz, Koronarer Herzkrankheit (KHK) und Herzinsuffizienz nicht verabreicht werden.

Anwendung von Desmopressin:

Für den Minirin®-Test muss eine Gesamtdauer von ca. 4 Stunden veranschlagt werden. Insofern werden Termine am Vormittag oder am Nachmittag von uns durchgeführt. Die eigentliche Infusion dauert ca. 30 Minuten und sollte nicht zu schnell erfolgen, damit es nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Gesichtsrötung, Übelkeit usw. kommt.

Bei Operationen: Nach der ersten i.v.-Infusion von Desmopressin in einer Dosierung 0,3-0,4µg/kg KG innerhalb von 30 Minuten steigen der Faktor VIII und von-Willebrand-Faktor im Blut vorübergehend in der Regel um ca. das 3 bis 4-fache des Ausgangswertes an. Der Anstieg ist umso stärker, je höher die individuelle Restaktivität ist. Die Desmopressin-Infusion muss in ca. 12-24-stündigem Abstand wiederholt werden, sollte es nach einer Operation weiter nachbluten usw. Der Anstieg des VWF AG usw. hält also nach der 1. Infusion für einige Stunden an und gewährt eine ausreichende Blutstillung ohne Blutungskomplikationen.

Es empfiehlt sich, vor dem ersten Einsatz von Desmopressin die individuelle Ansprechbarkeit zu ermitteln, die für den einzelnen Patienten relativ konstant zu sein scheint, zumal es anscheinend ein genetisch bedingtes Nicht-Ansprechen gibt. Dabei sollte nicht nur der Spitzenspiegel nach 1 Stunde, sondern auch ein weiterer Wert nach 3-4 Stunden ermittelt werden, um die Halbwertszeit des Effekts abschätzen zu können. Um den Zeitaufwand nicht zu groß werden zu lassen, machen wir daher den Blutspiegel:

  • vor Stimulation mit Minirin®
  • nach 1 Stunde nach Infusion
  • nach 2,5 Stunden nach Infusion.

Nach der 2. Blutentnahme nach 1 Stunde nach der Infusion können die Patienten die Praxis für max. 90 Minuten verlassen (z.B. einen Spaziergang machen), sofern es ihnen gut geht und keine Nebenwirkungen / Unverträglichkeiten aufgetreten sind.

Wenn dann alle Laboruntersuchungen durchgeführt wurden und die Ergebnisse vorliegen, wird eine ausführliche Befundinterpretation und Therapieempfehlung mit Wirksamkeit/Unwirksamkeit/Mangelnde Wirksamkeit der Infusion erfolgen. Ebenso wird ein Notfallausweis ausgehändigt, auf dem die Wirksamkeitskontrolle beschrieben ist. Dieser wird dem Patient/in zugeschickt bzw. in einem Abschlussgespräch noch einmal ausführlich besprochen.

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